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Zentrale Erkenntnisse der KPMG ESG Risk Survey 2025

Die Finanzwelt durchläuft einen tiefgreifenden Wandel: Umweltprobleme, gesellschaftliche Erwartungen und geopolitische Instabilität erhöhen den Druck auf Banken. Die miteinander verknüpften Herausforderungen gefährden die langfristige Stabilität von Finanzinstituten. Gleichzeitig verschärfen sich die externen Anforderungen – etwa durch das Omnibus-Paket und neue EBA-Guidelines. ESG-Risikomanagement ist damit nicht mehr nur strategisch relevant, sondern eine klare aufsichtsrechtliche Erwartung.

Die fünfte Ausgabe der internationalen KPMG ESG-Benchmark-Umfrage zeigt, wie Banken auf die Entwicklungen reagieren, welche Strategien sie verfolgen und wo Handlungsbedarf besteht. Die Studie bietet globale Einblicke, ermöglicht Benchmarking und gibt Impulse zur weiteren Verbesserung des ESG-Risikomanagements.

Antworten von über 100 Banken aus 19 Ländern

ESG-Risiken haben in den letzten Jahren massiv an Bedeutung gewonnen. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und wachsender Regulierung müssen Banken ESG-Aspekte systematisch in ihre Risikomanagementprozesse integrieren. Die KPMG ESG-Risiko-Studie 2025, basierend auf den Antworten von über 100 Banken aus 19 Ländern, liefert einen umfassenden Marktüberblick: Sie zeigt Fortschritte, bestehende Lücken und zentrale Themen für die kommenden Jahre. Im Fokus stehen drei Schwerpunkte, die in nächster Zukunft besonders relevant sein werden: Transitionsplanung, die Entwicklung von Key Risk Indicators (KRIs) und die Integration von Natur-Risiken. Im Folgenden werden zentrale Erkenntnisse der Studie sowie Empfehlungen zu den Schwerpunktthemen vorgestellt.

Die KPMG ESG Risk Survey 2025 zeigt ein klares Bild: Trotz geopolitischer Unsicherheiten, gesellschaftlicher Veränderungen und neuer regulatorischer Vorgaben halten rund 70 Prozent der befragten Banken an bestehenden ESG-Risikostrategien fest. Diese Kontinuität ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer langfristigen Verpflichtung zur Integration von ESG-Faktoren in das Risikomanagement. Denn diese Faktoren gelten als zentrale Treiber, die nicht mehr nur in strategischen Diskussionen, sondern zunehmend in operativen Prozessen verankert sind. Gleichzeitig wächst der Druck der Aufsichtsbehörden. Die Europäische Zentralbank (EZB) macht weiterhin deutlich, dass ESG-Risiken systematisch im Risikomanagement integriert sein müssen: Wer die Anforderungen nicht fristgerecht erfüllt, muss mit Sanktionen rechnen. Damit setzt die EZB ein starkes Signal – Banken sollen den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft unterstützen und dabei ESG-Risiken angemessen in den Risikomanagementverfahren integrieren. Im Hinblick auf den Reifegrad dieser Integration sind die Studienergebnisse eindeutig:  Wie in Abbildung 1  zu erkennen ist, bestehen die meisten Feststellungen bzw. identifizierter Weiterentwicklungsbedarfe im Bereich Geschäftsstrategie, der Geschäftsumfeldanalyse sowie im Kreditrisiko.

Abb. 1:  Die meisten Feststellungen bzw. identifizierter Weiterentwicklungsbedarfe bestehen im Bereich Geschäftsstrategie, der Geschäftsumfeldanalyse sowie im Kreditrisiko.

Im Rahmen der Materialitätsanalyse haben die meisten Institute erkannt, dass Klima- und Umweltrisiken zentrale Treiber darstellen – insbesondere für Kredit-, Geschäfts- und operationelle Risiken. Zu den wesentlichen Einflussfaktoren zählen extreme Wetterereignisse, regulatorische Änderungen und chronische physische Risiken. Trotz Fortschritten bei der Identifikation der Risikotreiber bestehen weiterhin Lücken bei bestimmten Risikoarten, etwa dem Konzentrations- oder strategischen Risiko. Diese Schwächen können zu „blinden Flecken“ im ESG-Risikomanagement führen. Ihre Beseitigung ist entscheidend für ein ganzheitliches Risikomanagement und dessen Resilienz.

Fortschritte zeigen sich bei der Kapitalplanung: Knapp 2 von 3 Studienteilnehmer in der Kategorie der bedeutenden Institute (SI) berücksichtigen ESG-Risiken im ICAAP, meist über einen Kapitalpuffer von rund 0,5 Prozent. Ein Drittel geht weiter und setzt Puffer von über 2 Prozent – ein klares Zeichen für wachsendes Bewusstsein. Dennoch fehlt die Integration in der normativen Perspektive bei fast der Hälfte der Banken und in der Basisplanung bei rund 80 Prozent. Das Risiko: Institute sind zwar auf kurzfristige Schocks vorbereitet, unterschätzen aber die langfristigen Herausforderungen.

Grundlagen für zukunftsfähiges ESG-Risikomanagement

Zudem macht die Studie deutlich, welche Themen in den kommenden Jahren entscheidend sein werden: die Weiterentwicklung der Transitionsplanung, die Einführung von KRIs und die Integration von Natur-Risiken. Diese Handlungsfelder schaffen wichtige Grundlagen für ein zukunftsfähiges ESG-Risikomanagement.

Der Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft ist eine der größten Herausforderungen für Banken. Als zentrale Finanzierer wirtschaftlicher Aktivitäten können ihre Entscheidungen den Wandel beschleunigen oder bremsen. Transitionspläne – bzw. ESG-Risikopläne nach deutscher BRUBEG Nomenklatur – sind dabei das entscheidende Instrument: Sie übersetzen strategische Ambitionen in konkrete Maßnahmen. Wie in Abbildung 2 ersichtlich, sind die Pläne mehr als ein Nachhaltigkeitsanhang – sie sind strategische Roadmaps, die festlegen, wie Institute ESG-Risiken bewältigen und ihre Geschäftsmodelle an langfristige Veränderungen anpassen. Sie schaffen Ziele, definieren Verantwortlichkeiten und integrieren Nachhaltigkeit in Produkte, Prozesse und Kundenbeziehungen. Banken, die frühzeitig handeln, sichern sich nicht nur regulatorische Konformität, sondern erschließen neue Chancen in einer dekarbonisierten Wirtschaft.

Abb. 2: Pläne als strategische Roadmaps, die festlegen, wie Institute ESG-Risiken bewältigen und ihre Geschäftsmodelle an langfristige Veränderungen anpassen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von KRIs. Diese Kennzahlen sind nicht nur regulatorisch gefordert, sondern essenziell für die Steuerung von ESG-Risiken. Laut der Abbildung 3 sind insbesondere finanzierte Treibhausgasemissionen (Scope 1–3) sowie die Integration physischer Risiken in Szenarioanalysen besonders oft schon implementiert. Da europäische Aufsichtsbehörden eine große Anzahl von KRIs verlangen, beginnen die meisten Banken den Implementierungsprozess, indem sie einen Teil von Kennzahlen priorisieren. Hier empfiehlt sich, zunächst die Konzentration auf KRIs, die für das Institut eine hohe Steuerungsrelevanz besitzen sowie KRIs, die mit wenig Aufwand implementierbar sind. Verbleibende KRIs können so nach Wichtigkeit gewichtet werden und nacheinander umgesetzt werden. So entsteht ein individuelles Steuerungssystem, das den regulatorischen Anforderungen gerecht wird und Banken bei strategischen Entscheidungen unterstützt.

Abb. 3: Finanzierte Treibhausgasemissionen (Scope 1–3) sowie die Integration physischer Risiken in Szenarioanalysen sind oft bereits implementiert.

Auch Natur-Risiken befinden sich im Fokus von Regulatoren, wobei es es hier dringend einen Perspektivwechsel bedarf: Weg von alleinstehenden pauschalen sektor- oder länderweiten Durchschnittswerten, hin zu einer Ergänzung um lokationsbasierte Analysen auf Standortebene, die die räumliche Heterogenität von Biodiversität und Ökosystemleistungen berücksichtigen. Obwohl knapp 60 % der Banken bereits Materialitätsanalysen bzgl. Naturrisiken durchführen, basieren diese aktuell überwiegend auf ENCORE, also auf sektorspezifischen Proxy-Daten. Nur sehr wenige Institute nutzen die Kombination mit EXIOBASE, um Lieferketten zu analysieren. Standortbezogene Daten werden nur von 25% der Institute für ihre Analysen verwendet – und das, obwohl es auf dem Markt eine Vielzahl nutzbarer Rohdatenquellen auf Standortebene gibt, die naturbezogene Risikotreiber adäquat abbilden. Gleichzeitig entwickelt bereits über ein Drittel der Institute Transitionspläne für Natur-Risiken, um langfristige ökologische und finanzielle Resilienz sicherzustellen.

Die ESG-Risiko-Studie 2025 zeigt, dass Banken weltweit die Relevanz von ESG-Risiken erkannt haben und Maßnahmen zur Integration in ihre Risikomanagementsysteme ergreifen. Dabei stehen sie vor der Herausforderung, regulatorische Anforderungen zu erfüllen, strategische Anpassungen vorzunehmen und gleichzeitig operative Prozesse weiterzuentwickeln. Insbesondere die Themen Transitionsplanung, Naturrisiken und die Integration in Kapitalplanungsprozesse werden in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Banken, die hier frühzeitig handeln und ESG-Risiken systematisch adressieren, stärken langfristig ihre Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit im Finanzmarkt.

Autoren

Markus Quick, KPMG AG WPG Frankfurt

Partner
KPMG AG WPG Frankfurt

Armina Schädle

Senior Manager
KPMG AG WPG Berlin

Dr. Holger Spielberg

Partner
KPMG AG WPG München

Dr. Clemens Wieck

Partner
KPMG Deutschland