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Der Wandel hin zu einer Netto-Null-Wirtschaft setzt Banken unter wachsenden Druck, ihre Geschäftsmodelle und Kreditportfolios auf den 1,5°C-Pfad auszurichten und gleichzeitig ihre finanzielle Stabilität zu bewahren. Transitionsplanung muss daher eher als strategische Managementaufgabe und nicht nur als Compliance-Übung verstanden werden. Nur dann können Institute ihre Klimaziele in konkrete Maßnahmen übersetzen, neu entstehende Risiken steuern und ihre Glaubwürdigkeit gegenüber Aufsichtsbehörden, Kunden und Investoren wahren. Dabei müssen Banken unterschiedliche sektorale Transformationspfade, unzureichende Datengrundlagen sowie den Zielkonflikt zwischen langfristiger Resilienz und kurzfristiger Rentabilität meistern. Basierend auf der Cluster-Initiative zu Transitionsplänen skizziert dieser Artikel die strategischen Zielkonflikte, Investorenerwartungen und essenziellen Bausteine, die Banken meistern müssen, um Transitionspläne zu einem strategischen Managementinstrument zu machen [siehe Sustainable Finance Cluster 2025].

Verankerung der Transitionsplanung in der gesamten Bank

Effektive Transitionsplanung integriert vier voneinander abhängige Bereiche, wie in Abbildung 1 dargestellt: Ambitionen & Ziele, Geschäftsmodell, Risikomanagement und Governance. Die fünfte Dimension, Compliance & Reporting, erläutern wir näher in unserem Positionspapier [Sustainable Finance Cluster 2025, S. 14-17]. Die Praxis zeigt, dass diese Integration unverzichtbar ist, jedoch unweigerlich Spannungsfelder zwischen Klimazielen, Geschäftsrisiken und Profitabilität erzeugt. Ein transparenter Umgang mit diesen Zielkonflikten entscheidet darüber, ob Transitionsplanung ein strategisches Steuerungsinstrument oder eine reine Compliance-Übung wird und Banken so ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern können.

Abbildung 1: Die vier Bereiche der Transitionsplanung

Die meisten Banken verwenden das 1,5°C-Zielszenario als Richtwert und stützen sich dabei in der Regel auf das „Netto-Null-Emissions-Szenario bis 2050“ (NZE) der Internationalen Energieagentur [siehe IEA 2025, S. 7]. Geschwindigkeit, Verlauf und Machbarkeit der Transformation unterscheiden sich jedoch erheblich zwischen den Sektoren, bedingt durch technologische Reife und strukturelle Gegebenheiten. Banken reagieren darauf, indem sie sektorspezifische Klimaszenarien für Risikobewertungen und Stresstests einsetzen. Zusätzlich verschärfen Unsicherheiten in Klimawissenschaft und -politik die Planungskomplexität und verstärken bestehende Zielkonflikte. Das Abweichen von dem Pfad birgt potenziell Reputations- und Regulierungsrisiken, wie z.B. die mögliche Anhebung des CO2-Preises oder sich ändernden politischen Regelungen. Auch die Zielsetzung ist eine Herausforderung: Sollten sich die Banken auf sehr ehrgeizige Ziele festlegen und riskieren, diese zu verfehlen, oder sollten sie sich besser konservative Ziele setzen, die möglicherweise übertroffen werden?

Eine zentrale Herausforderung liegt in den finanzierten Emissionen (Scope 3), die rund 96% der Gesamtemissionen von Banken ausmachen [siehe PwC 2025]. Damit hängt ihr Dekarbonisierungserfolg maßgeblich von den Klimaambitionen, Verpflichtungen und der Datenqualität ihrer Kunden ab. Diese Abhängigkeit macht 1,5°C-Pfade zu einem erheblichen Geschäftsrisiko. Stellen sich Kunden oder ganze Sektoren nicht entsprechend um, drohen Banken bei konsequenter Zielverfolgung Geschäftseinbußen und Profitibalitätsverluste. Daraus entsteht ein strategisches Dilemma. Ein Ausstieg aus Kundenbeziehungen oder Sektoren gefährdet kurzfristig die Ertragslage. Untätigkeit jedoch birgt langfristig Ausfallrisiken und setzt Banken möglicherweise Reputationsschäden oder Greenwashing-Vorwürfen aus.

Perspektivisch gewinnen physische Risiken zunehmend an Bedeutung gegenüber Transitionsrisiken. Banken haben zwar begrenzten Einfluss auf diese Makrotrends, können aber steuern, welche Risikoprofile und Sektoren sie in ihre Portfolios aufnehmen. Zudem können sie durch gezielte Produkte und Dienstleistungen ihre Kunden bei der Bewältigung von Klimarisiken unterstützen.

Diese Zielkonflikte lassen sich nur durch transparente Kommunikation und strukturierte Planung adressieren. Ein fundierter Transitionsplan fungiert dabei nicht nur als Roadmap, sondern als Instrument für interne Strategieausrichtung und externe Glaubwürdigkeit. Er befähigt Banken, Komplexität zu steuern, Handlungsfähigkeit zu wahren und Investoren die Transparenz zu bieten, die fundierte Kapitalallokation erfordert.

Investorenperspektive

Für Investoren sind Transitionspläne ein wesentlicher Baustein ihrer Anlageentscheidungen. Sie analysieren diese Pläne unter den Gesichtspunkten der Risikobewertung, Chancenpotenziale und strategischen Kohärenz. Die zentrale Frage lautet, wie Unternehmen klimabezogene Risiken und Chancen in den vier TCFD-Dimensionen verankern: Governance, Strategie, Risikomanagement sowie Kennzahlen und Ziele [siehe TCFD 2021].

Gut konzipierte Transitionspläne sind keine isolierten Dokumente, sondern integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Sie verdeutlichen die Verknüpfung zwischen Klimastrategie, operativer Performance, finanziellen Auswirkungen und Umsatzgenerierung. Intern dienen sie dem Management als Steuerungsinstrument zur Fokussierung und Fortschrittsmessung gegenüber langfristigen Zielen. Extern ermöglichen sie Stakeholdern nachzuvollziehen, wie sich Unternehmen in einer transformierenden Wirtschaft positionieren.

Investoren prüfen die Glaubwürdigkeit von Transitionsplänen anhand mehrerer Kriterien: klar definierte Ziele, ausreichende Ressourcen für die Transformation, nachweisbare Fortschritte sowie robuste Governance mit klaren Zuständigkeiten auf Führungsebene. Überzeugende Pläne integrieren die Klimastrategie in Geschäftsstrategie und operative Prozesse, weisen Ressourcen transparent aus und belegen Fortschritte durch messbare Ziele und regelmäßiges Reporting.

Bestimmte Praktiken wecken hingegen Skepsis: Priorisierung von visueller Darstellung über Substanz, diffuse Verantwortlichkeiten ohne Leadership-Engagement, ausufernde qualitative Darstellungen ohne quantitative Zielsetzungen sowie mangelnde Transparenz bei der Fortschrittsberichterstattung. Da Klimaaspekte zunehmend Investitionsentscheidungen prägen, beeinflussen Qualität und Glaubwürdigkeit von Transitionsplänen Kapitalströme und Bewertungen. Sie werden zum Gradmesser dafür, wie gut Banken aufgestellt sind, um Investorenerwartungen zu erfüllen.

Fazit & Ausblick

Transitionsplanung entwickelt sich von einem einmaligen Projekt zu einer kontinuierlichen Managementaufgabe. Für Banken wird sie zum zentralen Steuerungsinstrument, um Klimaziele in konkrete Maßnahmen zu übersetzen, interne Stakeholder zu koordinieren und gegenüber Aufsicht und Investoren konsistent zu kommunizieren. In einem Umfeld beschleunigter Transformation und zunehmender physischer Risiken besteht der Wert eines Plans weniger im Vorhersagen der Zukunft als vielmehr darin, unterschiedliche Szenarien zu definieren und mögliche Reaktionen zu antizipieren.

Drei Prioritäten prägen die kommenden Jahre. Erstens muss Transitionsplanung in die reguläre Steuerungsarchitektur integriert werden, sodass Klimaaspekte in Geschäftsplanung, Risikoappetit und Performance Management einfließen. Zweitens erfordern Betriebsmodelle und Governance-Strukturen Schärfung durch klare Verantwortlichkeiten, robuste Entscheidungsprozesse und funktionsfähige Eskalationswege, um Verpflichtungen in operatives Handeln zu überführen. Drittens benötigen Banken eine belastbare Datenbasis zur Portfoliorisikoanalyse, Szenariobewertung und Fortschrittsmessung.

Unsere Cluster-Initiativen 2026 werdenden Fokus um zwei neue Themenfelder erweitern. Zum einen betrachten wir, wie Banken naturbezogene Ziele definieren und in die Transitionsplanung integrieren können. Zum anderen setzen wir uns damit auseinander, wie KI-basierte Lösungen Finanzinstitute dabei unterstützen können, die wachsende Komplexität von ESG-Daten zu bewältigen, Risikobewertungskapazitäten auszubauen und die analytische Grundlage zu schaffen, die effektive Transitionsplanung erfordert.

Quellen

International Energy Agency (IEA) [2025]: Global Energy and Climate Model, IEA, Paris 2025, [S. 7]. https://www.iea.org/reports/global-energy-and-climate-model

PwC [2025]. CSRD Benchmarking von Banken und Versicherungen, o. O. 2025. https://www.pwc.de/de/nachhaltigkeit/sustainable-finance/csrd-benchmarking-von-banken-und-versicherungen.html

Sustainable Finance Cluster [2025]: Transition Plans in Banking: From Compliance to Strategic Advantage, Frankfurt 2025. https://sustainablefinancecluster.com/wp-content/uploads/2025/08/SFC_TransitionPlans_Sep2025.pdf

Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) [2021]: Implementing the Recommendations of the Task Force on Climate-related Financial Disclosures, o. O. 2021. https://assets.bbhub.io/company/sites/60/2021/07/2021-TCFD-Implementing_Guidance.pdf


Autoren

Dr. Lukas Figge-Muschalik

Projektmanager
Sustainable Finance Cluster

Luca Steinhauer

Doktorand
Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

Matthias Hübner

Geschäftsführer
Sustainable Finance Cluster